Wandfarben-Trends 2024: So holen Sie sich den neuen Look nach Hause

Wenn ich durch meine Wohnungen streife und die neuesten Farbkollektionen sehe, fällt mir auf: Die Zeiten von reinem Weiß sind vorbei. Stattdessen setzen wir auf erdige Nuancen, die Räume wie eine Umarmung wirken lassen. Vor Kurzem habe ich ein kleines Schlafzimmer mit nur 14 Quadratmetern in einem sanften Terrakotta-Ton gestrichen. Das Ergebnis war verblüffend. Der Raum wirkte sofort wärmer und einladender. Und das Beste: Die Farbe kaschiert kleine Unebenheiten an den Wänden viel besser als ein kaltes Weiß. Meine Kundin war begeistert, weil sie sich endlich wohlfühlte, ohne dass der Raum erdrückend wirkte. Genau das ist der Trend: Farben, die Geschichten erzählen und Gemütlichkeit schaffen.

Aber wie findet man den richtigen Ton für die eigenen vier Wände? Ich rate immer, mit den Accessoires zu beginnen. Haben Sie eine graue Couch oder einen Holzboden mit warmen Untertönen? Dann greifen Sie zu einem . Diese Farbe harmoniert perfekt mit Naturmaterialien wie Leinen oder Baumwolle. In einem Raum, in dem ich kürzlich gearbeitet habe, haben wir die Wand hinter dem Bett in diesem Ton gestrichen. Dazu ein schwarzes Bettgestell und weiße Bettwäsche. Der Effekt war ruhig und dennoch modern. Vergessen Sie nicht, vor dem Streichen eine großzügige Probe an die Wand zu bringen. Farben sehen auf dem Musterchip und an der Wand oft ganz anders aus, besonders bei unterschiedlichem Tageslicht.

Eine weitere Entwicklung, die mich begeistert, sind die sogenannten „Dirty Pastels”. Das sind Pastelltöne, die mit einem Schuss Grau oder Braun vermischt sind. Ein Flieder mit einem Hauch von Taupe oder ein Mint, das fast schon an Beton erinnert. Diese Farben wirken erwachsener und weniger süß als klassische Pastelle. Ich habe so einen Ton in einem Arbeitszimmer verwendet. Der Raum hatte leider kein Fenster, also viel Tageslicht gab es nicht. Die Wandfarbe in einem trüben Blaugrau hat den Raum nicht erdrückt, sondern ihm eine intime, konzentrierte Atmosphäre gegeben. Das ist der Trick für schwierige Räume: Nicht zu hell oder zu dunkel wählen, sondern genau die Mitte zwischen gedeckt und lebendig.

Wer mutiger ist, greift zu kräftigen Erdtönen wie Rostrot oder Senfgelb. Aber Achtung: Diese Farben verlangen nach einem durchdachten Konzept. Ich habe eine Küche gesehen, in der nur eine Wand in einem tiefen Ziegelrot gestrichen war. Der Rest blieb in einem warmen Weiß. Diese einzelne Farbwand zog sofort die Blicke auf sich und setzte einen schönen Kontrast zu den hellen Holzarbeitsplatten. In einem kleinen Raum mit nur 20 Quadratmetern würde ich aber nie alle Wände in so einem starken Ton streichen. Das könnte schnell erdrückend wirken. Lieber nur eine Akzentwand oder die Nische hinter einem Regal farbig gestalten. So bleibt der Raum großzügig, aber mit einem starken Statement.

Nicht unterschätzen sollte man die Decke. Warum immer nur Weiß? Ich streiche Decken zunehmend in einem leicht abgetönten Farbton, der ein bis zwei Nuancen heller ist als die Wandfarbe. Das öffnet den Raum optisch nach oben. In einem Altbau mit hohen Decken von fast 3,20 Metern habe ich die Decke in einem hauchzarten Graubeige gestrichen. Der Raum wirkte sofort ruhiger und die Höhe wurde gemildert. In einem Neubau mit Standard-Deckenhöhe von 2,50 Metern würde ich dagegen eher zu einer etwas helleren Variante der Wandfarbe greifen, um den Raum nicht zu drücken. Die Decke ist die fünfte Wand und verdient genauso viel Aufmerksamkeit.

Ein praktischer Tipp für alle, die häufig Gäste beherbergen: Wenn Sie einen Raum multifunktional nutzen wollen, etwa ein Arbeitszimmer, das abends zum Gästezimmer wird, spielt die Wandfarbe eine große Rolle. Helle, neutrale Töne wie Sand oder helles Grau sind hier ideal. Sie lassen sich leicht mit verschiedenen Möbeln kombinieren. In einem solchen Raum habe ich eine Wand in einem warmen Cremeton gestrichen. Dazu ein Schlafsofa mit einem 16 cm dicken Kaltschaumkern auf einem stabilen Untergestell. Die Wandfarbe harmoniert mit der hellen Leinenoptik des Bezugs und schafft eine ruhige Atmosphäre. So fühlt sich der Raum tagsüber als Büro und nachts als Schlafzimmer an, ohne dass man die Farben wechseln müsste.

Zum Schluss noch ein Gedanke zur Haptik. Die neuen Wandfarben sind oft matter als früher. Mattierte Farben kaschieren Unebenheiten und wirken samtig. Ich habe eine Wand in einem Schlafzimmer mit einer matten, fast pudrigen Oberfläche gestrichen. Die Farbe fühlt sich fast weich an, wenn man mit der Hand darüberstreicht. Das passt perfekt zu einem Raum, in dem man sich entspannen will. Kombinieren Sie das mit einem Bett mit einem stabilen Lattenrost und einer weichen Matratze. Die Wand wird so zum Teil des Wohlfühlkonzepts. Also einfache Farben, die überraschen und berühren. Genau das ist es, was einen Raum lebendig macht.

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